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Kleines Futures Lehrbuch von Markus Fugmann


Futures:


1.    Was sind Futures

a) Futures: Das Instrument der Profis

Definition: Ein Future ist ein börsengehandeltes Termingeschäft. Es bezeichnet einen verbindlichen Börsenvertrag (Kontrakt) zwischen zwei Parteien über:
•    Eine Lieferung (für den Verkäufer) bzw. Abnahme (für den Käufer)
•    eines genau bestimmten Vertragsgegenstandes (Basiswert, zum Beispiel Öl, Weizen etc)
•    in einer bestimmten Menge (Kontraktgröße, zum Beispiel 1000 Barrel Öl)
•    zu einem definierten Zeitpunkt in der Zukunft (Ablauf-Termin des Kontrakts)
•    zu einem konkreten, bereits bei Vertragsabschluss festgelegten Preis (Kauf-oder Verkaufspreis des Kontrakts)

Bei Abschluß eines Future-Kontrakts verpflichtet sich der Käufer (Halter einer Longposition) zur Annahme des Kontraktwertes, der Verkäufer (Halter einer Shortposition) zur Lieferung des Kontraktwertes. In der Praxis jedoch werden die Kontrakte meist vor Ablauf der Laufzeit glattgestellt, d.h. aufgelöst zum jeweiligen Marktpreis.

Grundsätzlich investiert der Käufer oder Verkäufer eines Future-Kontrakts nicht den gesamten Kontraktwert, sondern nur eine Sicherheitshinterlegung (Margin), die in der Regel nur einen Bruchteil des gehandelten Volumens darstellt. Aus dieser Hebelfunktion ergeben sich Chancen, aber auch Risiken. Die sogenannte intraday-margin kann hierbei vom Broker bestimmt werden, während overnight-Margins von der Börse festgelegt werden, an der der jeweilige Kontrakt gehandelt wird.

Waren bis vor einigen Jahren noch Rohstoff-, Währungs- (z.B. Euro-Dollar-Future) und Anleihefutures (z.B. Bund-Future) dominant, so sind inzwischen Index-Futures (Dax-Future, Nasdaq-Future etc.) in den Vordergrund getreten.

Der Future-Handel wird großteils von institutionellen Anlegern, mehr und mehr jedoch auch von Privatpersonen betrieben. Er dient einerseits zur Absicherung bestehender Positionen (Hedging), andererseits zur Erzielung spekulativer Gewinne.


b) Futures: Die Championsleague der Börse.


Grundsätzlich zählt der Handel mit Futures zu den besten Möglichkeiten, an der Börse zu agieren. Er bietet Vorteile, die sonst kaum ein anderes Handelsinstrument bieten kann:

- ein in der Regel äußerst geringer spread (Differenz Geld- Briefkurs)
- keine Abhängigkeit von einem Emittenten (wie zum Beispiel bei Zertifikaten und Optionsscheinen), sondern direkter Handel mit den Kontrahenten
- Spekulation auf steigende (long) und fallende (short) Kurse
- penible Regulierung durch die jeweilige Börse bzw. die Börsenaufsicht, wodurch – anders als etwa bei OTC-Produkten) – ein fairer Handel garantiert ist
- Hebelfunktion durch die margin

Wer Futures handelt, handelt gleichsam den „Primärmarkt“, von dem häufig andere Produkte (z.B. Index-CFDs) abgeleitet sind.


c) Geschichtliches:


- Mittelalter: Reisbörse von Osaka
- 16.Jahrhundert: Italienischer Astronom Galileo Galilei einer der erster Futurehändler und Leerverkäufer?
•    1848 erste Futurebörse CBOT –
    Chicago Board of Trade durch Getreidehändler gegründet
•    1878 Chicagoer Produktenbörse eröffnet
•    1919 Umbenennung der Produktenbörse in Chicagoer Mercantile Exchange (CME)
•    26.01.1990 Eröffnung der DTB (Deutsche Terminbörse)
•    1998 Fusion der schweizerischen SOFFEX und der DTB: Entstehung der EUREX


d)    Die wichtigsten Future-Börsen:

Rohstoffe: CME Chicago Mercantile Exchange Group (nach Zusammenschluß mit CBOT): weltweit führend im Rohstoffhandel;   NYMEX (vorwiegend Crude Oil); LIFFE (vorwiegend Brent-Öl); NYBOT (Kaffee, Baumwole etc.)

Index-Futures: CME Group und Eurex

Rentenfutures: Eurex und CME



2.    Die Orderarten: das ABC des Future-Tradens


Im Folgenden erhalten Sie eine Übersicht der Orderarten. Diese gelten grundsätzlich für alle Märkte, haben jedoch im Future-Handel insofern eine besondere Bedeutung, da der Handel sehr kurzfristig ausgelegt ist. Die Beherrschung der Orderarten gehört zum Handwerkszeug des Future-Traders und muß „im Schlaf“ beherrscht werden.


a)   Orderarten:


-    Market Order: bezeichnet eine Sofortausführung, also zum nächstmöglichen (börsengehandelten) Kurs. Eine Market Order ist eine unlimitierte Order. 
Nachteil: eventuell schlechtere Ausführung möglich.


-    Limit Order: bezeichnet eine Ausführung zum angegebenen Preis oder besser. Daher liegt die Eingabe eines Limits bei einem Kauf niedriger als der aktuelle Kurs, während bei einem Verkauf das gesetzte Limit höher ist als der aktuelle Kurs.
Nachteil: eventuell keine Ausführung, da der gewünschte Kurs nicht erreicht wird.

-    Stop Order: bezeichnet eine Stop Market Order. Nach Erreichen des Stop-Kurs erfolgt eine Sofortausführung (wobei dann die Ausführung bei nervösen Märkten schlechter sein kann als die gesetzte Stop Order). Die Eingabe eienr Stop Order ist bei einem Kauf höher als der aktuelle Kurs, bei einem Verkauf niedriger als der aktuelle Kurs.


-    Stop Limit: Nach Erreichen des Stop-Kurses wird eine Limit-Order aktiviert. Auch hier ist bei Eingabe eines Stop Limits bei einem Kauf der gewünschte Kurs höher als der aktuelle Kurs, bei Eingabe eines Verkaufs ist die Stop Limit-Order niedriger als der aktuelle Kurs.


-    Trailing Stop: bezeichnet eine automatisch nachziehende Stop Market Order. Diese wird im Abstand eines fixen Betrages von jedem neuen Höchstkurs (oder bei Shortpositionen Tiefstkurs) gesetzt.


b)    Orderzusätze:


-    If Done Order („wenn gemacht..): zu einer Einstiegsbedingung wird gleichzeitig eine Folgeorder für den Ausstieg mit gesetzt, zum Beispiel bei einem gewünschten Kaufniveau gleichzeitig das Setzen eines Verlust-Stopps

-    If Done OCO Order („wenn gemacht, dann löscht eine Order die andere..“):  zu einer Einstiegsbedingung werden gleichzeitig zwei Folgeorder für den Ausstieg mit gesetzt
    (Verlustbegrenzung und Gewinnrealisierung)




3.    Die wichtigsten Futures:


a)    Index-Futures

-    S&P-Future (E-mini S&P): Der Leitwolf

Der S&P-Future ist der bedeutendste Indexfuture-Kontrakt der Welt. Die kleinste Einheit ist 0,25 Punkte, was in der Regel auch dem spread entspricht. Ein Index-Punkt „zahlt“ 50$. Der S&P-Future bezieht sich auf den S&P-500, den marktbreitesten Index der USA. Er rangiert in seiner Bedetung daher deutlich vor dem Dow-Jones-Index und ist ab 14.00Uhr der Takt-Geber für den Dax-Future


-    Nasdaq-Future (E-mini Nasdaq): Der Future für Swing-Trades

Der Nasdaq-Future bezieht sich auf den amerikanischen Nasdaq100-Index. Kleinste Einheit sind auch hier 0,25 Punkte (meist auch der spread). Ein Index-Punkt bringt 20$, allerdings ist der Nasdaq-Future deutlich volatiler als der S&P-Future.  Der Nasdaq-Future ist auch für Einsteiger in den Future-Handel geeignet.
   

-    Mini-Dow Future (E-mini Dow): Der Einsteiger-Kontrakt

Der Dow-Jones-Future basiert auf dem amerikanischen Dow Jones-Index, einer  vergleichsweise willkürlichen Zusammenstellung von 30 amerikanischen Unternehmen. Kleinste Einheit ist 1 Punkt, der 5$ bringt. In der Regel hat der Dow-Future nur einen Punkt spread – bei einem 5-stelligen Indexstand eine zu vernachlässigende Größe. Aufgrund des geringen spreads und der guten Volatilität zählt der Dow-Future zu den Kontrakten, die der Einsteiger handeln kann.


-    Mini-Russel (E-mini Russell): Der Zockermarkt

Der Mini-Russel ist ein echter Zockerkontrakt. Er beruht auf einem amerikanischen Nebenwerteindex, dem Russel 2000. Kleinste Einheit ist 0,1 Punkte, wobei 1 Punkt 100$ bringt. Der Mini-Russell ist nur für spekulativ veranlagte Charaktere geeignet, da er eine extreme Volatilität aufweist. Aufgrund der hohen Volatilität emfehlen sich hier Limit-Orders zum Einstieg


-    Dax-Future: Das Schwergewicht

Der Dax-Future ist das Schwergewicht unter den Futures. Kleinste Einheit sind 0,5 Punkte (entspricht meist dem spread), wobei ein Punkt 25€ entspricht. Der Dax-Future ist der Deutschen liebstes Kind, schon aufgrund seiner hohen Volatilität. Zu beachten ist jedoch, daß die Liquidität zwar zu einem einwandfreien Handel völlig ausreichend ist, größere Marktteilnehmer jedoch in der Lage sind, den Markt in ihre Richtung zu drängen. Anfängern ist daher von diesem Kontrakt unbedingt abzuraten, schon weil ein stringentes Risikomanagement hier unerlässlich ist.


-    Euro-Stoxx-Future: Der europäische Volumen-Tanker

Der Euro-Stoxx-Future ist der bedeutendste Index-Future Europas. Er ereicht in der Regel das 5-fache Volumen des Dax-Futures und ist daher von großen Marktteilnehmern nicht ernstlich zu beeinflussen. Kleinste Einheit ist 1 Punkt (entspricht dem spread), wobei 1 Punkt 10€ bringt. Der Kontrakt bezieht sich auf den Eurostoxx 50, der die wichtigsten europäischen Aktien (ohne England) enthält. Der Euro-Stoxx-Future ist für Einsteiger gut geeignet, da sich die Volatilität in überschaubarem Rahmen hält.



b)    Rohstoff-Futures

Grundsätzlich gibt es bei dem wichtigsten Rohstoff-Futures neben den „normalen“ Kontrakten auch die jeweiligen Mini-Kontrakte (Neulinge sollten mit den Minis beginnen).


-    Crude-Oil-Future

Der Crude-Oil-Future bezieht sich auf das amerikanische WTI-Öl (Western Texas Intermediate; besitzt höhere Qualität als das Nordseeöl Brent). Kleinste Einheit ist 0,01$ (der spread ist gelegentlich höher, insbesondere am Vormittag). Ein Dollar Bewegung im Crude bringt 1000$ (da man mit einem Kontrakt 1000 Barell bewegt). Zu achten ist insbesondere auf die jeden Mittwoch um 16.30Uhr veröffentlichten Bestandsdaten. Der Kontrakt ist sehr volatil, insbesondere zur „prime time“ zwischen 19.30 und 20.30Uhr.


-    Gold-Future

Der Gold-Future wird an verschiedenen Börsen gehandelt. Wir empfehlen den Kontrakt an der Comex. Kleinste Einheit ist 0,1$ (meist der spread), wobei ein Dollar Bewegung im Goldpreis 100$ bringen (da man einen Gegenwert von 100 Unzen handelt). Der Gold-Future ist volatil, sodaß Positionen eng abgesichert werden müssen.


-    Silber-Future

Auch der Silber-Future wird an verschiedenen Börsen gehandelt, wobei sich ebenfalls die Comex empfiehlt. Kleinste Einheit sind 0,05$, wobei ein Dollar Bewegung im Silber 5000$ bringt (man bewegt 5000 Unzen; 1 Cent bringt 50$).


-    Kupfer-Future

Der Kupfer-Future wird an der Comex gehandelt. Kleinste Einheit sind 0,05$, wobei ein Dollar Bewegung im Kupfer 250$ bringen (man bewegt 25.000 libs).


c)    Sonstige Futures:


-    Bund-Future

Der Bund-Future zählt zu den wichtigsten Futures weltweit. Er reflektiert die Renditerwartung der 10-jährigen deutschen Staatsanleihe, wobei ein steigender Bund-Future eine sinkende Rendite bedeutet. Kleinste Einheit sind 0,01% (entspricht auch dem spread, z.B. 116,50/116,51), die 10€ bringen. Der Bund-Future wird stark von institutionellen Investoren gehandelt und hat daher ein sehr großes Volumen. Der Kontrakt ist dennoch für Einsteiger geeignet.


-    Euro-Dollar –Future

Der Euro-Dollar-Future ist eine gute Alternative zum Forex-Handel. Kleinste Einheit ist 1pip (in der Regel auch der spread, also z.B 1,4770/1,4771). 1pip Bewegung bringt 12,50$ (man bewegt 125.000 €-$).